Föhre

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The Wonder World of Words

In Uncategorized am 27. Oktober 2009 um 9:13 nachmittags

Here a recommendation for everyone:

“The wonder world of words” by Manly P. Hall, a lecture from his “Wisdom Series”.
I think anybody who aims for a more profoundly meaningful way of dealing with words, should listen to this.

Search for it!

Thank you!

F.

Wassermann

In Uncategorized am 27. Oktober 2009 um 5:13 nachmittags

Ich hätte ihm dieses Lied gerne vorgesungen, aber er ist tot.
Und da oben, am Sternenhimmel sehe ich nichts, nichts, nichts außer leuchtenden Punkten, die gar nichts bedeuten.
Er hat mir natürlich alles erklärt, was es zu sehen gibt; den Großen Wagen und die Venus und den Rest der Bagage.
Den ganzen Tag den Kopf in den Büchern und des Nachts in den Sternen, das hat mich manchmal wahnsinnig gemacht.
„Was ist denn auch so besonders am Nachthimmel? Am Tag gibt es doch auch schöne Sachen, erst gestern, habe ich einen Regenbogen gesehen, der spannte sich vom einen Ende der Stadt, ganz bis zum anderen, du hast ihn verpasst!“
Aber wie oft bin nicht auch ich nachts auf den Balkon gegangen, selbst im Winter, als es kalt war und habe versucht mich zu erinnern?
„Das ist der Wassermann!“, habe ich dann gedacht „Er gießt Wasser aus einem Krug.“ Aber was heißt das? Warum war das letzte, das er in seinem Leben sah ausgerechnet dieses Sternbild?
Zum Weinen ziehe ich mir die Kapuze ins Gesicht, damit mir nicht einmal die Himmelskörper dabei zusehen können.
„Warum er und nicht du?!“ will ich dem Wassermann entgegenschreien, aber ich kann ihn gar nicht sehen, verliere mich in diesen Punkten, die sich mir mit seinem Tod entfremdet haben.
„Das ist ja alles Scheißdreck!“ brülle ich plötzlich „Scheißdreck, Scheißdreck!“
Und doch bin ich am nächsten Tag schon in der Uni, fleißig dabei alle möglichen Konstellationen auswendig zu lernen.
Ist er da oben?
Natürlich nicht, aber ich suche nach etwas, fange an zu fragen, zu zweifeln: „Ist das wirklich Wasser im Krug?“
Was könnte es auch sonst sein?
Nichts, Leere, Stille, Wein, Blut, Tod, was weiß ich, es ist bedeutungslos.
„Du musst die Punkte verbinden!“ Ein gutgemeinter Ratschlag?
Mit Stroh- und Origamisternen wäre er doch nie zufrieden gewesen und langsam werde ich zu ihm.
Seine Bücher schleppe ich umständlich mit mir herum, umständlich!
Ich kann diesen verdammten Wassermann nicht aus dem Kopf bekommen, bin noch immer wütend.

Ich habe mich verirrt, ich bin alleine, wo sind alle?
Ich kritzle die Konturen von Fremden auf ein Blatt Papier, ich besteige einen Berg um besser sehen zu können, ich schlafe nur erbärmliche 3 Stunden und lese, lese, lese, bis mir die Buchstaben durch die Nase, die Ohren und die Augen kriechen und sich am Himmel zu Sternen zusammensetzen.
Betrunken sieht der Himmel schöner aus, weicher, freundlicher.
Die Gesichter sind mir zugewandt, beobachten mich aufmerksam.
Ich bin eine Ameise, krabble auf diesem Planeten herum und suche immerzu.
Ich will doch nur verstehen, wissen warum, habe ich irgendetwas verpasst, ist mir irgendetwas entgangen?
Sie sind wohl schon meine Freunde, wollen aber trotzdem nichts verraten.
Manchmal lachen sie mir aufmunternd zu und sagen: „Sing, sing!“ und klatschen schon in Vorfreude, aber singen kann ich nicht, denn das Lied gehört ihm.
Ich versuche es mit allerlei Tricks, liege ganze Nächte da und versuche etwas auszuspionieren.
Vielleicht, in einem unbedachten Moment, könnte alles plötzlich ganz klar erscheinen.
Ein falsches Wort am falschen Ort und ich zur richtigen Zeit dabei?
Wissen sie, dass mir nicht zu trauen ist, dass ich es auf nichts geringeres als die Wahrheit abgesehen habe?
Auch mit dem Wassermann habe ich schon versucht zu verhandeln.
Er beantwortet alle Fragen mit einem lächelnden „Ich weiß nicht.“ und vielleicht weiß er wirklich von nichts.
Aber ich habe Zeit, hunderttausende von Jahren, und ich harre aus.

SPAM, eine Kurzgeschichte.

In Kurzgeschichte am 1. Oktober 2009 um 3:21 nachmittags

Es begann vor genau einem Jahr, an meinem achtzehnten Geburtstag. Ich weiß nicht warum ich auf diesen Button klickte, noch warum er mir zuvor nie sonderlich aufgefallen war, ich weiß nur, dass sich vor mir eine neue Welt auftat, die Welt des Spam. „Aber das ist doch nichts Besonderes.“ Würde man sich versucht fühlen zu sagen. „Spam, den kennen wir doch alle.“ Das könnte man sagen, bevor man meine Sammlung gesehen hat. Als ich diese zweitausendfünfhundertachtunsechzig Spammails durchsah, kam etwas über mich, wie eine Sucht, oder eine Erleuchtung. Ich fühlte mich frei und mutig, wie ein Entdecker, ein Pionier. In dieser Welt gab es alles: Es gab Menschen mit mehreren, oder überdimensionalen Geschlechtsteilen, es gab Wunderheilmittel, die alle Krankheiten auf einen Schlag auslöschen konnten, es gab tragische Schicksalschläge, einsame Huren und unerwartete Lotteriegewinne.

Stundenlang saß ich dort und las was diese Menschen zu sagen hatten. Gerade als ich im Begriff war meinen „Mannesstolz“ mit dem Lineal zu vermessen, kam meine Mutter in’s Zimmer: „Schorschi, was machst du, um Himmels Willen?!“ und dann fügte sie leiser und fast verschwörerisch hinzu: „Die Klingelhubers sind zu Besuch und haben eine Torte für dich gebracht!“ Als sie gegangen war, musste ich meine ganze Willenskraft zusammennehmen, um meine geburtstagskindlichen Pflichten wahrnehmen zu können.
Um zehn in der Nacht waren endlich alle Beglückwünscher gegangen und ich rannte fast, um noch schneller zurück am Computer zu sein.

Am nächsten Tag kam mein Vater extra den ganzen Weg vom Nachbardorf zu Besuch um mir (nachträglich) zu gratulieren. Er hatte das seit Jahren nicht getan, also freute ich mich irgendwie.
„Schorsch, jetzt bist du ein Mann, verstehst du?“ sagte er betont männlich und schlug mir auf die Schulter. Es tat ein bisschen weh. „Ich glaube schon…“ sagte ich irritiert und er fuhr fort mit seiner übertriebenen Stimme zu sprechen: „Weißt du Schorsch, ein echter Mann, das ist nicht der mit dem größten Schwanz. Nein, Mann ist man hier!“ er hieb sich mit der Faust in die Herzgegend „Im Herzen, verstehst du?“ Ja, plötzlich verstand ich: meine besorgte Mutter musste ihn gestern Nacht noch angerufen, und ihm vom Lineal erzählt haben. Sein Verhalten war mir peinlicher als mein eigenes.
„Ich weiß.“ Sagte ich und ging in mein Zimmer. Ich war beleidigt, dass er deshalb gekommen war und nicht einfach um mich mal wieder zu sehen, also sperrte ich die Tür hinter mir zu und setzte mich vor den Bildschirm. „Wollten Sie schon immer, dass ihre Banane mehr als nur Affen anlockt?“ las ich und: „Jetzt in 2 Tagen 15kg abnehmen, ohne auf fettes Fleisch zu verzichten“. Ganz besonders interessant fand ich auch die Namen der Absender. Da gab es eine Wendy Abigantus und eine Tarinia Klubber und nicht zu vergessen Doktor Magumbo Anderson.

Bald legte ich mir einen eigenen Ordner an, in dem ich alle Spammails speicherte, aber schon nach zwei Wochen, reichte meine Festplatte nicht mehr aus und ich musste meine Sammlung auf DVDs brennen.
Heute bin ich neunzehn geworden und besitze 500 solcher Dvds. Ich wohne in meiner eigenen Wohnung, bin aber drei Monatsmieten im Rückstand, weil mich meine Mutter aufgegeben hat. Es ist nicht so, als wäre ich faul, oder in der Schule jemals schlecht gewesen, es ist eher so, dass mir dieses Leben hier mehr Freude bereitet. Schon früh am Morgen stehe ich auf und besuche zuerst einmal alle Seiten, von denen ich gehört habe sie sind unsicher oder gar gefährlich. Irgendwie fühlt es sich gut an, etwas zu tun, vor dem sich andere fürchten. Dann abonniere ich alle Newsletter und gebe meine Emailadresse so oft als möglich aus. Ca. zweimal täglich formatiere ich meinen Computer, wegen der unvermeidlichen Viren. Ja, und abends dann, kann ich die Früchte meiner Taten ernten: Spammails.

Freundin hab ich keine, obwohl ich jetzt weiß wie ich machen könnte, dass „alle Mädls einen Orgasmus kriegen, wenn sie mich nur von Weitem sehen“, das macht mir auch ein bisschen Angst um ehrlich zu sein, ich mein, dass solch eine Kraft in mir drinnen steckt. Ich glaube nicht, dass ich verrückt bin, eher dass ich sehr nahe daran bin, dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen. Meine Mutter unterstützt das natürlich alles überhaupt nicht und wie sie meine DVD-Sammlung gefunden hat, wollte sie mich fast zur Adoption freigeben, aber die haben ihr gesagt, dass ich ja schon volljährig bin und so. Es hat mich sehr traurig gemacht meine Mutter so zu sehen, zu sehen wie sehr sie mich missversteht. Ich will ihr doch nicht weh tun, nicht nach dem ganzen Scheidungsdrama mit meinem Vater, ich will sie stolz machen, ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubern wie selbst „Clarophil, die Pille gegen alles“ es nicht tun könnte und ich weiß auch schon wie! Ungefähr dreimal pro Woche, gewinne ich zehntausend Euro im Internet, wieviel das insgesamt vom letzten Jahr bis heute ist, will ich gar nicht ausrechnen.
Jedenfalls habe ich denen allen meine Adresse und Telefonnummer geschickt und warte darauf, dass sie mir das Geld bald schicken. Wirklich bald, wahrscheinlich schon nächste Woche.

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